"Gott, du mein Gott, dich suche ich..." (Ps. 63)

Erfahrungen von den Besinnungstagen
im Haus "Charles de Foucauld"

"Wer suchet, der findet" waren die ersten Worte, die ich bei meiner Ankunft hörte, als ich nicht gleich den Eingang zum Haus "Charles de Foucauld" fand. "Wer suchet, der findet" sagte also der Pfarrer der kleinen Kirche, die direkt an das unscheinbare Haus der Kleinen Schwestern angrenzt, freundlich zu mir. Und tatsächlich fand ich den Eingang, der direkt vor mir lag - und im Laufe der Woche sollte ich noch viel mehr finden. Meine Suche nach Antworten, meine Suche nach Leben, meine Suche nach Gott in meinem Leben hatte mich hierher aufbrechen lassen, ich wollte vor allem finden. Mit all meinen Gedanken, meiner Persönlichkeit und meinen Erfahrungen im Gepäck, das schwer auf meinen Schultern lastete, hatte ich mich auf den Weg gemacht, wohin genau wusste ich nicht.
Miteinander auf dem Weg... Hinter der Tür, die sich mir nun für eine Woche öffnete, erwarteten mich drei Kleine Schwestern, die dort wohnten und noch vier weitere Gäste: eine Kleine Schwester aus Mulhouse, zwei Französinnen und eine Deutsche. Eine Woche lang machten wir uns im Rahmen der Exerzitien, die uns zusammengeführt hatten, gemeinsam auf die Suche und folgten den Spuren Charles de Foucaulds.


Wo befanden wir uns nun eigentlich genau? Diese Frage bestimmte die ersten Tage unsere Schritte, die noch zaghaft den unbekannten Boden betraten. "Ankommen", das war unsere erste Aufgabe, daher lernten wir unseren Ankunftsort näher kennen. Wir befanden uns in einem Vorort am Rande von Paris, in St. Denis, in Pierrefitte sur Seine und so nahmen wir am nächsten Tag an einem sehr lebendigen Gottesdienst in der geschichtsträchtigen Basilika von St. Denis teil. Auf dem Weg dorthin hatten wir die Möglichkeit, unsere Umgebung zu erkunden, die uns in ihrer Schlichtheit ein ganz anderes Gesicht von Paris zeigte, und auch untereinander ins Gespräch zu kommen. Wir befanden uns alle noch am Anfang der Woche und doch waren wir schon mittendrin. Worte gingen hin und her, Vertrauen wurde gefasst, Freundschaften geknüpft.

Am folgenden Tag dann der Gottesdienst in der Gemeinde direkt nebenan, danach ein längerer Ausflug ins Zentrum von Paris, zu den Kirchen St. Augustin und Sacre Coeur, die für Charles de Foucauld von Bedeutung gewesen waren. Niemals hatte ich das Gefühl, gestresst zu sein, wir nahmen uns Zeit, Zeit zum Fragenstellen, zum Zuhören, zum Betrachten und zum Beten.

Museum in St. Augustin


"Bleiben" war unsere nächste Herausforderung, nachdem wir angekommen waren. Jeden Tag gab es Impulse zu verschiedenen Themen, die Charles de Foucauld wichtig waren, den Austausch in der Gruppe und auch mal Gäste von "außerhalb", die ihre Erfahrungen mit uns teilten und uns vor Augen führten, wie Christsein im Alltag konkret gelebt werden kann.

So berichtete uns Lydie, eine junge Frau aus Paris, von ihrer Gemeinde, von der Jugendarbeit und von ihrem persönlichen Glaubensweg.

Marianne erzählte uns an einem anderen Tag, wie sie sich dazu entschlossen hatte, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben und stattdessen für die Organisation "Aux captifs la libération" ("Den Gefangenen Befreiung") zu arbeiten, um Obdachlosen und Prostituierten auf der Straße zu begegnen und langsam gegenseitiges Vertrauen zu gewinnen.
Austausch und Gespräch

Keine leichte Aufgabe und jede Geschichte, die sie durch ihre Arbeit zu berichten wusste, bewegte uns tief. Und dann gab es jeden Tag noch die zwei Stunden "Zeit für Gott" - "temps pour dieu" - in denen jede für sich bei der Anbetung in der Kapelle, beim Lesen der Bibel, beim Schreiben oder wie auch immer das Gespräch mit Gott suchen konnte und dabei in sich hineinspüren durfte.

So neigte sich für uns alle die Woche dem Ende zu, bald schon hieß unsere letzte Aufgabe "Gehen" und sich somit langsam zu verabschieden. Im Hinblick auf unsere Rückkehr hat jede von uns so manch kostbares Wort für sich entdeckt, manch tiefes Gebet geführt und viel Kraft und Zuversicht geschöpft, aus der äußeren Reise zum Haus "Charles de Foucauld", ist eine zutiefst innere Reise geworden.

Die Türe, die uns hier geöffnet wurde und zum Mitleben einlud, hat uns in ein Haus voll Gastfreundschaft, voll Lebensfreude und voll wertvoller Begegnungen eintreten lassen und uns dadurch auch wieder neu die Tür zu unserem Inneren geöffnet.
Auch Kochen und Spülen gehörte zum Alltag der Exerzitien Mitten in der Stadt, mitten im Lärm, mitten unter den Menschen haben wir die Möglichkeit gehabt, Gott sowohl in den Begegnungen mit anderen als auch in uns zu suchen, Ihm in uns Raum zu geben, um dann den Mut zu fassen, unser jeweiliges Leben im Alltag bewusst und vielleicht nun ganz neu mitzugestalten.

Als ich mich wieder auf den Rückweg machte, hatte ich irgendwie gefunden, was ich suchte, auch wenn meine Suche nicht aufhören wird. Ich habe viel von mir mitgeteilt und viel von anderen empfangen. Mein Gepäck ist nun deutlich leichter geworden, denn das, was ich mitnahm, war keine Last mehr, sondern ein Geschenk Gottes. Es ist schön, eine Tür gefunden zu haben, die jedem offen steht und die zur Begegnung mit anderen und mit Gott einlädt.

Yasmin