| "Wer
suchet, der findet" waren die ersten Worte, die ich bei meiner Ankunft
hörte, als ich nicht gleich den Eingang zum Haus "Charles de Foucauld"
fand. "Wer suchet, der findet" sagte also der Pfarrer der kleinen Kirche,
die direkt an das unscheinbare Haus der Kleinen Schwestern angrenzt, freundlich
zu mir. Und tatsächlich fand ich den Eingang, der direkt vor mir lag -
und im Laufe der Woche sollte ich noch viel mehr finden. Meine Suche nach
Antworten, meine Suche nach Leben, meine Suche nach Gott in meinem Leben
hatte mich hierher aufbrechen lassen, ich wollte vor allem finden. Mit
all meinen Gedanken, meiner Persönlichkeit und meinen Erfahrungen im Gepäck,
das schwer auf meinen Schultern lastete, hatte ich mich auf den Weg gemacht,
wohin genau wusste ich nicht. |
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Hinter der Tür, die sich mir nun für eine Woche öffnete, erwarteten mich drei Kleine Schwestern, die dort wohnten und noch vier weitere Gäste: eine Kleine Schwester aus Mulhouse, zwei Französinnen und eine Deutsche. Eine Woche lang machten wir uns im Rahmen der Exerzitien, die uns zusammengeführt hatten, gemeinsam auf die Suche und folgten den Spuren Charles de Foucaulds. |
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Am folgenden Tag dann der Gottesdienst in der Gemeinde direkt nebenan, danach ein längerer Ausflug ins Zentrum von Paris, zu den Kirchen St. Augustin und Sacre Coeur, die für Charles de Foucauld von Bedeutung gewesen waren. Niemals hatte ich das Gefühl, gestresst zu sein, wir nahmen uns Zeit, Zeit zum Fragenstellen, zum Zuhören, zum Betrachten und zum Beten. |
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So berichtete uns Lydie, eine junge Frau aus Paris, von ihrer Gemeinde, von der Jugendarbeit und von ihrem persönlichen Glaubensweg. |
| Marianne erzählte uns an einem anderen Tag, wie sie sich dazu entschlossen hatte, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben und stattdessen für die Organisation "Aux captifs la libération" ("Den Gefangenen Befreiung") zu arbeiten, um Obdachlosen und Prostituierten auf der Straße zu begegnen und langsam gegenseitiges Vertrauen zu gewinnen. |
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Keine leichte
Aufgabe und jede Geschichte, die sie durch ihre Arbeit zu berichten
wusste, bewegte uns tief. Und dann gab es jeden Tag noch die zwei
Stunden "Zeit für Gott" - "temps pour dieu" - in denen jede für sich
bei der Anbetung in der Kapelle, beim Lesen der Bibel, beim Schreiben
oder wie auch immer das Gespräch mit Gott suchen konnte und dabei
in sich hineinspüren durfte. |
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| So neigte
sich für uns alle die Woche dem Ende zu, bald schon hieß unsere letzte
Aufgabe "Gehen" und sich somit langsam zu verabschieden. Im Hinblick auf
unsere Rückkehr hat jede von uns so manch kostbares Wort für sich entdeckt,
manch tiefes Gebet geführt und viel Kraft und Zuversicht geschöpft, aus
der äußeren Reise zum Haus "Charles de Foucauld", ist eine zutiefst innere
Reise geworden. Die Türe, die uns hier geöffnet wurde und zum Mitleben einlud, hat uns in ein Haus voll Gastfreundschaft, voll Lebensfreude und voll wertvoller Begegnungen eintreten lassen und uns dadurch auch wieder neu die Tür zu unserem Inneren geöffnet. |
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Mitten in der Stadt, mitten im Lärm, mitten unter den Menschen haben wir die Möglichkeit gehabt, Gott sowohl in den Begegnungen mit anderen als auch in uns zu suchen, Ihm in uns Raum zu geben, um dann den Mut zu fassen, unser jeweiliges Leben im Alltag bewusst und vielleicht nun ganz neu mitzugestalten. |
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Als ich mich wieder auf den Rückweg machte, hatte ich irgendwie gefunden, was ich suchte, auch wenn meine Suche nicht aufhören wird. Ich habe viel von mir mitgeteilt und viel von anderen empfangen. Mein Gepäck ist nun deutlich leichter geworden, denn das, was ich mitnahm, war keine Last mehr, sondern ein Geschenk Gottes. Es ist schön, eine Tür gefunden zu haben, die jedem offen steht und die zur Begegnung mit anderen und mit Gott einlädt. Yasmin |