| Die Kleine Schwester
vom Evangelium, Joelle Staquet betreut im "Mouvement du Nid" in Mulhouse
Prostituierte. Sie möchte das Bewusstsein für diese misshandelten und wenig
geliebten Frauen wecken. Es gibt Tatsachen, die Joelle Staquet weder vergessen kann noch will. 150 Frauen zwischen 13 ud 74 Jahren gehen in den Straßen und Wohnungen von Mulhouse der Prostitution nach - auch wenn dies mehr die Zahlen von Manila zu sein scheinen. 150 Frauen aus Frankreich, Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Kamerun, Nigeria sind es, sie kamen wie viele andere in diese Stadt im Osten Frankreichs, um dort neue Lebensperspektiven zu suchen und zu finden. |
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| Kleine Schwester Joelle Staquet arbeitet im
"Mouvement du Nid" mit, einer frankreichweiten Organisation, die sich für
die Prostituierten und gegen die Prostitution einsetzt. Sie kämpft für sie
mit tiefer Demut und großer Menschlichkeit. "Ich möchte zu diesen Frauen,
die teilweise seit 10 oder 20 Jahren der Prostitution nachgehen, eine Beziehung
aufbauen, die ihnen hilft, aus dieser Situation herauszukommen." Genau hier ist die Herausforderung, der sich die Kleine Schwester seit 1998 stellt: |
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| "Wir wollen die Prostituierte,
- die in dieser Welt der Angst und der Gewalt ohnehin stigmatisiert ist
- nicht auf die Prostitution reduzieren, auf die Stunden am Tag und in der
Nacht, in denen sie der Prostitution nachgeht. Es geht vielmehr darum, sie
als eine Frau voller Würde zu betrachten, die unseren Respekt verdient.
Sie selbst kann dann entscheiden, ob sie in ihrem Leben einen anderen Weg
einschlagen will oder nicht. Mit einer anderen Verantwortlichen des "Mouvement
du Nid" und 10 Ehrenamtlichen sind wir immer da - und sind auch bereit,
den Frauen Zeit zu lassen. |
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| Ein Blick in die Tiefe der Nacht
Diese Sehnsucht nach Geschwisterlichkeit und nach Hoffnung trägt Joelle seit vielen Jahren tief in ihrem Herzen. "Mit 22-23 Jahren hatte ich eine abgeschlossene Ausbildung als Sozialarbeiterin, ich hatte berufliche Erfahrung in einem Kinderheim in Belgien, ich hatte Geld, ich hätte eine Familie gründen können. Aber ich war nicht zufrieden. Ich spürte einen tieferen Ruf. Die Begegnung mit Gott hat mich als ganzen Menschen wachsen lassen." Ein Jahr später trat Joelle bei den Kleinen Schwestern vom Evangelium ein. "Mit ihnen konnte ich in Gemeinschaft leben, ein einfaches Leben führen im Gebet und im Geist von Charles de Foucauld, der sich dem unendlich guten Gott hingegeben hatte, der sich um die Menschen sorgte, vor allem um die allerärmsten, die er wie seine geliebten Brüder und Schwestern bei sich aufnahm." |
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In Mulhouse lebt die Kleine Schwester bei den Allerärmsten in einem Hochhausviertel. Sie hört zu, sie schaut, und sie spricht von den 150 Opfern der Prostitution in der Stadt: "Die Frauen haben sehr große Risiken auf sich genommen, um ihr Land zu verlassen und sind mehr oder weniger freiwillig nach Europa gekommen. | |
| Dabei war ihnen nicht bewusst, welche körperliche,
sexuelle und psychische Gewalt sie erleiden würden. In den osteuropäischen
Ländern üben die Zuhälter einen extremen Druck auf die Familien aus: sie
kidnappen Kinder, sie drohen damit, die Schwester zu vergewaltigen oder
den Vater gewaltsam anzugreifen. In einigen afrikanischen Ländern kann eine
Voodoo-Zeremonie die Frau an die Prostitution binden, so dass die Familie
mit großem Unglück bedroht wird, wenn sie aus der Prostitution aussteigt.
In Frankreich sind es eher die wirtschaftliche Not, der fehlende Zugang
zu Bildung und Wohlstand, psychische Probleme und mangelnde Belastbarkeit
einzelner Frauen, die dann von anderen ausgenutzt werden. So werden diese
Frauen in die Abhängigkeit von Zuhältern, von Drogen und von Alkohol gebracht
- und damit werden Tausende von Frauen zu echter Sklaverei verdammt." Zweimal pro Woche bietet Joelle Staquet zusammen mit den anderen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen im "Mouvement du Nid" eine Sprechstunde an. Dort wird den Frauen in vielfältigen Bereichen Hilfestellungen angeboten: beim Erlernen der Sprache, bei der Erziehung eines Kindes, bei Behördengängen, bei Krankheit und Krankenhausaufenthalten ... Hier finden die Prostituierten Menschen, mit denen sie angstfrei reden, mit denen sie ihren ganzen Weg des Kampfes noch einmal besprechen können. |
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| Einen Nachmittag und eine Nacht im Monat geht Kleine Schwester Joelle mit anderen Mitarbeitern des "Mouvement du Nid" durch das Bahnhofsviertel und in die Nähe der Kirche St. Etienne, den Zentren der Prostitution in Mulhouse. "Ich bin ur ein Bindeglied zwischen diesen Frauen und allem, was ihnen auf menschlicher, sozialer und spiritueller Ebene gut tut." |
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Das Wichtigste für die Kleine Schwester ist, jede einzelne in ihrer Selbstachtung, im Vertrauen auf ihre Fähigkeiten zu begleiten und zu ermutigen, damit sie einen Weg (zurück) in die Gesellschaft finden kann - in der Hoffnung, dass sie so aus der Prostitution herausfindet. "Gott, der Herr, wird alle Tränen trocknen." sagt der Prophet Jesaja. Ich kämpfe dafür, dass dies jetzt schon Wirklichkeit wird ... und dabei möchte ich auch jeder Frau die Freiheit lassen, ihre eigene Lebensgeschichte bewusst zu gestalten." Eine ausgestreckte Hand ... Joelle Staquet möchte noch einige Jahre ihres Lebens mit diesen tief verletzten Frauen verbringen. "Die christliche Hoffnung gibt mir die Kraft weiterzumachen. Aber in diesem Milieu sind Gewalt und Leiden der Menschen immens und die Bitte "erlöse uns" sind keine leeren Worte." In ihrer Fraternitaet kann die Kleine Schwester neue Hoffung und neue Kraft schöpfen. Sie geht in weiterführende Schulen und in Studentengemeinden, um Jugendliche über Prostitution zu informieren, und sie engagiert sich bei der Caritas. Gern wandert sie in den Vogesen und ein Wochenende im Monat verbringt sie in Gebet und Stille in einem Kloster. Eines Tages ließ eine ehemalige Prostituierte ihr Haar wieder normal wachsen, ohne es zu färben und findet so ihre Identität wieder. Und eine junge Mutter sagt zu ihr: "Sie sind die einzige, die von meiner Tochter gut spricht." Weil Du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich Dich liebe ..." diese Worte des Propheten Jesaja sind für die Kleine Schwester die wichtigste Herausforderung und die größte Hoffnung ... . |
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