| Kl. Sr.
Christine erzählt von ihrem Weg in die Gemeinschaft der Kleinen Schwestern
von Evangelium: "Manchmal werde ich etwas erstaunt gefragt, warum ich denn in einen Orden eingetreten bin; das ist heute ja eher zur Seltenheit geworden. Ich möchte mit einem Satz des Propheten Jesaja antworten, der mich seit vielen Jahren begleitet: |
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| "Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe..." (Jes. 43,4). Irgendwann zum Ende meiner Schulzeit ahnte ich diese unendliche Liebe Gottes in sehr persönlicher Weise - seine Liebe zu mir selbst, seine Liebe zu einem jeden Menschen. Und diese Liebe Gottes "ließ mich nicht mehr los". Immer mehr wollte ich in diese liebende Beziehung zu Gott hineinwachsen, mich davon verwandeln lassen und SEIN unbedingtes "Ja" zu einem jeden Menschen "weitersagen", Zeugin dafür werden. Dabei war für mich keinesfalls sofort klar, dass mich dies in einen Orden führen würde - zunächst fühlte ich mich in verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten oder später im Dienst als Pastoralreferentin durchaus am rechten Platz. Aber mein Herz blieb unruhig... | ||
| Während meiner Studienzeit lernte ich die Kleinen Schwestern vom Evangelium kennen, eine Ordensgemeinschaft aus der geistlichen Familie von Charles de Foucauld. Ich war sehr angesprochen von der Einfachheit ihres Lebensstils - sie leben nicht in einem Kloster, sondern in Mietwohnungen mitten unter den Menschen, in engem Kontakt mit den Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Viertel, eine jede geht einer - zumeist "ungelernten" - Arbeit nach, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Gemeinsam mit anderen engagieren sie sich im pastoralen und sozialen Bereich: sie begleiten Bibelgruppen, geben Religionsunterricht oder arbeiten in der Taufvorbereitung Erwachsener mit. Zusammen mit betroffenen Eltern organisieren sie Hausaufgabenhilfe, geben Alphabetisierungskurse oder begleiten Gefangenen und ihre Familien. | ||
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In all diesem pulsierenden Leben voller Begegnungen, Arbeit und Engagements, bleibt Jesus Christus Zentrum ihres Lebens - "Kontemplativ mitten in der Welt" wollen sie leben. Zeichen dafür ist auch die " Kapelle " in jeder Fraternität - ein Zimmer der Wohnung ist entsprechend eingerichtet. | |
| Mehrmals täglich kommen die Kleinen Schwestern
hier zum Gebet zusammen; hier findet eine jede den Raum, in der Stille bei
IHM zu verweilen. Im Laufe verschiedener Besuche, im Teilen ihres Lebens und in Gesprächen mit ihnen ahnte ich immer mehr, dass ich in dieser Gemeinschaft meine Weise finden könnte, Antwort zu geben auf die Liebe Gottes. Doch es dauerte noch einige Jahre, bis ich " den Sprung gewagt " habe: Jahre des Suchens und Fragens - " Ist dies wirklich mein Weg ? Kann ich ein Leben in Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit wagen ? Kann dies für mich ein Weg der Menschwerdung sein? ". Schließlich traute ich der Sehnsucht meines Herzens. Ich kündigte meine Stelle als Pastoralreferentin, ließ Familie und Freunde zurück und brach auf… |
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| Mittlerweile ist dies fast vier Jahre her - Jahre, die mir im Postulat und Noviziat halfen, langsam in diese Form des Christseins hineinzuwachsen. Immer neu erfuhr ich mich eingeladen zur Umkehr des Herzens : Nicht auf mich selber bauen, sondern vertrauen lernen. Herschenken, aber auch mit leeren Händen empfangen können. Das Leben mit den " Armen " fordert mich heraus, meine eigene Armut wahrzunehmen und anzunehmen - so darf ich ihnen in neuer Weise Schwester werden, eine von ihnen werden. |
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| Immer mehr sehne ich mich danach, dass Jesus
Christus Zentrum meines Lebens ist. Das stille Dasein vor IHM, das Hören
auf die Heilige Schrift, die eucharistische Anbetung und Feier helfen mit
auf diesem Weg. Das Schauen auf SEINEN liebenden Blick auf die Welt, auf
einen jeden Menschen beginnt, meinen eigenen Blick zu verwandeln. Das ganz
alltägliche Miteinander im Viertel, während der Arbeit und in der Fraternität
bekommt einen neuen " Klang " - in Dankbarkeit für die vielen, oft unscheinbaren
Gesten der Achtsamkeit, der Liebe und der Treue ; in Klage und Fürbitte
angesichts der Gebrochenheit unseres Lebens ; im Vertrauen, dass ER nicht
fern ist, ob wir Ihn spüren oder nicht. Ob während des Postulates in den Vorstädten von Paris oder bei den Indios in den Anden Ecuadors, ob in der Zurückgezogenheit des Noviziates oder im "pulsierenden Leben" voller Engagements und Begegnungen, immer wieder neu versuche ich aufmerksam zu werden für Gottes Anruf inmitten unseres Alltags : Welches Gesicht nimmt Seine frohe Botschaft für uns an, hier und heute ? Wo ruft er uns zum Engagement für eine menschenwürdigere Welt in Freiheit und Gerechtigkeit ? Wie können wir Zeuginnen Seiner Liebe und Treue werden ? Dankbar schaue ich auf den begonnenen Weg, auf Gottes Wirken in uns und um uns. Im Vertrauen auf Seine Gegenwart und Treue möchte ich diesen Weg der Nachfolge Christi wagen… |
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