"Darum will ich selbst sie verlocken.
Ich will sie in die Wüste hinausführen,
um sie zu umwerben." (Hos 2,16)

Exerzitien St. Ulrich

Mit dieser Zusage machen sich im Mai 2006 zehn pastorale MitarbeiterInnen aus der Erz-Diözese Freiburg auf den Weg in fünftägige Schweige-Exerzitien.

Impulse von Sr. Doris Broszeit von den kleinen Schwestern vom Evangelium bringen uns den von Gottes Liebe durchglühten Charles de Foucauld in Bildern und Worten als weiteren geistlichen Begleiter nahe.
Die Pastoralreferentin Elisabeth Hönig bereichert uns auf dem Weg mit Leib und Seele öffnenden Körperübungen und gestalteten Gebetszeiten.

Charles de Foucauld in Beni Abbes (Algerien)

Wir sind in diesen Tagen äußerlich von alles anderem als Wüste umgeben, nämlich vom lichtdurchfluteten und vogelgesangdurchklungenen Wald rings um die ehemals cluniazensische Klosteranlage St. Ulrich, heute ein hervorragend geführtes Bildungshaus in der Nähe von Freiburg.
Das Wort Wüste ruft in mir Erinnerungen an den Sinai und die judäische Wüste wach - harte, felsige Wüste, großartig und abweisend zugleich. Das hebräische Wort m-d-b-r kann man vokalisiert sowohl als "midbar" = Wüste, als auch "medaber" = er/es spricht lesen. Das Wort Wüste ruft in mir Erinnerungen an den Sinai und die judäische Wüste wach - harte, felsige Wüste, großartig und abweisend zugleich. Das hebräische Wort m-d-b-r kann man vokalisiert sowohl als "midbar" = Wüste, als auch "medaber" = er/es spricht lesen. Wüste - ein Ort, an dem Gott spricht; meine innere Wüste der Bedürftigkeit, in der Gott mir begegnen will, um eine uralte Liebesgeschichte aufzufrischen.  
Mir hilft der Hinweis von Sr. Doris, dass Beten nicht heißt, fromme Gefühle zu produzieren, sondern vor Gott in meiner nackten Wahrheit jetzt und hier da zu sein und zu wissen, dass ER mich dort schon erwartet. Eine besondere Erfahrung ist das schweigende Gebet in der Gruppe. Ich spüre die Gegenwart Gottes und fühle mich von meinen mitbetenden KollegInnen getragen. Ich freue mich sehr, mit Charles de Foucauld die Liebe zur Heiligen Schrift zu teilen. Im Unterschied zu jenem allerdings vor allem auch die frohe Botschaft des Ersten (Alten) Testamentes. Die Abscnhnitte aus den Evangelium in diesen Tagen haben harte Sätze wie "niemand kommt zum Vater außer durch mich". Sie reizen mich auf Grund meiner jüdischen Abstammung zum Widerspruch und ich möchte ergänzen "... und außer denen, die schon da sind". Am letzten Tag mache ich eine mir persönlich wichtige Entdeckung in der Berufungsgeschichte des Saulus (Apg 9,1-20). Der dort auftauchende "Hananias" heißt auf hebr. Chananja. Das ist die Umkehrung meines Namens Johannes - auf hebräisch Jochanan. Beide Namen bedeuten "Gott ist gnädig". Und dass "Gott ist gnädig" den bisher rasenden Christenverfolger Saulus mit "Bruder Saul" (Apg 9,17) anspricht - allerdings erst nach einiger visionärer Überzeugungsarbeit - lässt mich hoffen, dass meine dunklen und manchmal rücksichtslosen Seiten von den gottdurchwirkten Kräften in mir so überraschend verlockt und umworben werden könnten. Ich glaube, so geschieht Verwandlung, ja Erlösung.

Johannes Kempin, Freiburg
 

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