| Seit nunmehr
zweieinhalb Jahren arbeite ich halbtags in dem Verein "Aux captifs la libération
- Den Gefangenen Befreiung". Es handelt sich dabei um einen Verein mit christlichen
Wurzeln, der in verschiedenen Vierteln von Paris versucht, Menschen, die
auf der Straße leben, nahe zu sein. Das Spezifische unseres Vereins ist es, "mit leeren Händen" auf die Menschen zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Wir bringen kein Essen und keine Kleidung, aber wir kommen jeden Tag zu festen Zeiten an bestimmten Orten vorbei und versuchen, auf die Menschen zuzugehen und ihnen aufmerksam zuzuhören. |
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So treffen wir in der Regel die gleichen Leute "an ihrem Ort" an, denn auch
Nichtsesshafte haben feste Gewohnheiten. Manchmal ergibt sich dann ein Kontakt
und mit der Zeit entwickelt sich eine Beziehung. In meiner Arbeit als " streetworkerin" begegne ich auch Menschen, die der Prostitution nachgehen, denn zweimal in der Woche mache ich mit anderen Ehrenamtlichen einen Rundgang im Wald von Vincennes. |
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| Wir bieten
auch in unseren Lokalen einmal in der Woche einen offenen Treff an. Dort
können die, die das wollen, ihre Post abholen (Wenn man auf der Straße lebt,
scheitern viele Dinge schon daran, dass man keine Adresse nachweisen kann,
deshalb bieten wir unseren Verein als Postadresse an). Man kann bei diesem
wöchentlichen Treffen auch Kaffee trinken, eine Runde Karten spielen, oder
sich einfach nur unterhalten. Wenn das jemand möchte, kann es auch Anknüpfungspunkt
für ein Treffen mit den Sozialarbeitern des Vereins sein. Ich selbst mache diese Arbeit sehr gerne. Manchmal sind die Leute sehr offen für einen Kontakt, bisweilen winken sie auch ab, was ihr gutes Recht ist, denn die Tatsache, dass jemand auf der Straße lebt, nimmt ihm ja nicht das Recht, in Ruhe zu essen, oder einfach keine Lust auf ein Gespräch zu haben. Es ergeben sich aber auch oft Begegnungen, in denen man ein Stück Lebensgeschichte zu hören bekommt. |
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Zunächst war es für mich sehr befremdlich, so auf Menschen zuzugehen, vor allem wenn wir montags die Menschen aufsuchen, die der Prostitution nachgehen. Diese Realität ist wirklich oft sehr schrill und bizarr. Ich war erstaunt darüber, wie die Frauen - wie alle Frauen der Welt - gerne von ihren Kindern erzählen, von ihren alltäglichen Freuden und Sorgen. Wenn dann langsam das Vertrauen wächst, spricht die ein oder andere auch davon, wie sie ihre Situation erlebt, und es kommt vor, dass sich mit der Zeit neue Horizonte auftun, die wir dann gerne begleiten. | |
DER BLICK GOTTES Diese Gespräche bewegen mich oft sehr. Es ist wichtig für mich, jede und jeden mit dem Blick Gottes anzuschauen und ein wenig von dessen Zuneigung zu vermitteln. Bevor wir einen Rundgang beginnen, verweilen wir immer einen Moment im Gebet, um Gott zu bitten, er möge uns auf diesen Wegen zu den Menschen begleiten und durch unsere Präsenz möge ein wenig von seiner Liebe aufscheinen. |
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Ich
möchte auch noch vom "Gebet auf der Straße" erzählen. Einmal im Monat
bieten wir am Abend eine Gebetszeit an, die wir vorher mit denen, die
dazukommen möchten, mit einem Schriftgespräch vorbereiten. Am Ende dieses
Gebetes essen wir dann gemeinsam: Angestellte, Nichtsesshafte, Ehrenamtliche,
Prostituierte. Das ist immer ein sehr dichter Moment. |
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