| Nach der gemeinsamen eineinhalbjährigen
Noviziatszeit in Bonnefamille (Frankreich) brechen die Novizinnen in verschiedene
Fraternitäten in aller Welt auf, um dort das Leben und den Dienst der Kleinen
Schwestern kennenzulernen und zu teilen: |
| Milourde (Haiti) wurde nach Nuevo Cuscatlan
in El Salvador gesandt, Iris (Honduras) und Evelyne (Kongo) nach Salapoumbe
in Kamerun und Vanessa (El Salvador) nach Antsirabe (Madagaskar). Die Novizinnen
haben so Gelegenheit, vor dem Ablegen der ersten Gelübde die Vielfalt und
Internationalität der Kongregation besser |
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kennenzulernen und die Noviziatsausbildung
im konkreten Alltag der Fraternitäten zu verwurzeln. Zum Abschluss der gemeinsamen
Noviziatszeit, die von einer gewissen Zurückgezogenheit, von längeren Zeiten
des Gebetes, einfacher Arbeit sowie dem Noviziatsunterricht geprägt war,
zogen sie sich zu einer vierzigtägigen "Wüstenzeit" nach Tarres (Spanien)
zurück:
"Die Communitat de Jesus (eine Laiengemeinschaft im Geiste Charles de Foucaulds)
und die Einwohner von Tarres haben uns herzlich aufgenommen; schnell spürt
man die Gemeinschaft innerhalb der geistlichen Familie Charles de Foucaulds.
Wir wohnten im ‚Cal Hostal', wo sich die schöne Kapelle der ‚Comunitat de
Jesus' befindet; außerdem standen uns zwei Einsiedeleien etwas außerhalb
des Dorfes zur Verfügung. |
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Nach und nach fanden wir in die
Stille hinein, in die längeren Zeiten des Gebetes und der Meditation der
Bibel, in die innere Einsamkeit, die Zeiten in den Einsiedeleien etc...
Ihr kennt das: in Einfachheit leben und sich vom Heiligen Geist leiten lassen,
ich würde es mit einem Wort "Armut" nennen, Armut vor dem Wort Gottes, im
Gebet, in der einfachen Handarbeit... alles vom geliebten Herrn erwarten, |
| erfreut sein über das, was man empfängt oder
voller Hoffung weiterhin ‚an die Türe klopfen'. Der Geist wirkt auf völlig
unerwartete Weise und je unterschiedlich für eine jede; es geht nicht um
das, was ich möchte, sondern um das Annehmen dessen, was ER möchte." (Vanessa)
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| " Ich möchte euch in ein paar Zeilen ein kleines
Echo unserer Wüstenzeit geben, die ich im Vertrauen und der Hingabe gelebt
habe: Die Zeit war geprägt von der Stille, dem Gebet und der Arbeit (Malerarbeiten);
es war eine Zeit zu schauen, wo ich in meinem Leben stehe, eine Zeit die
ganz auf Gott ausgerichtet ist (soweit das möglich ist; man muss ehrlicherweise
sagen, dass es immer Zeiten der Dunkelheit, der Trockenheit gibt, in denen
man Gott zur Seite schiebt...); eine Zeit, um mir selbst zu begegnen, Begegnung
des Geschöpfes mit seinem Schöpfer; eine intensive Zeit auch, um die Welt
mit unserem Gebet zu begleiten und zu tragen (ich hatte mich der Welt nie
so nahe gefühlt wie in diesen Wochen); eine |
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Zeit, die ich "passive Aktion" nennen möchte:
wenn man sich darauf einlässt, entdeckt man sie als einen Weg, der verwandelt,
eine Zeit, um an uns geschehen zu lassen, um uns im Tiefsten unseres Seins
vom Heiligen Geist prägen zu lassen in einem langsamen Rhythmus, ohne etwas
zu erzwingen.... In dieser Zeit darf man nicht vergessen, dass man nichts
Besonderes sucht; es geht nur darum, zu leben und in der Liebe zu leben
- lieben und sich lieben lassen. Die Einsamkeit der Wüste, das ist die große
Probe des Glaubens; wenn man sie durchschreitet, kann man aus ganzem Herzen
mit dem Heiligen Paulus sagen: ‚Nicht mehr |
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| ich lebe, sondern Christus lebt in mir'. Die
Wüstenzeit ist ein Weg, um ganz leer zu werden, um sich von allem zu leeren,
um Gott allein Platz zu geben. Die Wüstenzeit ist eine Erfahrung reinen
Glaubens, eine Erfahrung des geduldigen und stillen Wartens auf Gott." (Iris)
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| "Die Wüstenzeit ist eine Zeit der Gnade, das
ist wirklich wahr. Beim Beten wurde mir klar, wie oft ich Gott in der Ferne
gesucht habe. Dabei musste ich bis auf den |
| Grund meines eigenen Seins hinabsteigen, in
die Trockenheit, in die Abgründe... immer in der Haltung eines Kindes, das
etwas von seinem geliebten Vater erbittet; und ich musste den Heiligen Geist
empfangen, ihn aufnehmen, um mein Herz reinigen zu lassen - denn das Gebetsleben
ist ein Kampf, der sich in unserem eigenen Herzen abspielt. |
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| Der Heilige Paulus sagt: "Löscht den Geist
nicht aus, entbrennt im Geist", und der orthodoxe Theologe P. Boris sagt
uns: "Christliches Leben muss ein Leben im Feuer des Geistes sein. So wird
es Quelle der Heilung im Herzen der Männer und Frauen." Bruder Karl sagt
uns auch: "Lesen und immer wieder lesen, ohne Unterlass das Wort Gottes
meditieren wie ein Tropfen, der immer wieder auf die selbe Stelle fällt".
Im Lesen und Wieder-Lesen des Wortes Gottes fand ich mich in der Wahrheit,
und diese Wahrheit entlarvte mich, sie stellte mich bloß vor dem Herrn.
Das ist nicht einfach, denn wir mögen diese Wahrheit über uns selbst nicht.
Das stresst uns, entmutigt uns, verletzt uns. Wir weisen das Wort zurück,
und so ähneln wir den Schriftgelehrten und Pharisäern, aber das Wort muss
sich in unserem Leben verwurzeln. Lassen wir uns vom Wort verwandeln und
heilen." (Evelyne) |
"Zunächst würde ich gern persönlich definieren,
was ‚Wüste' bedeutet.... Es ist schlicht und ergreifend ein Ort der Trockenheit,
ohne jeden Komfort, wohin Gott jenen und jene führt, die er so sehr schätzt,
um dem Bund mit ihm, mit ihr zu erneuern, ihm, ihr zum Herzen zu sprechen
in einer tiefen Vertrautheit.
Dabei habe ich festgestellt, dass wir diese Begegnung mit Gott zwar organisieren
können. Aber wir können nicht nach unserem eigenen Wohlgefallen bestimmen,
auf welche Weise Gott in uns handeln wird. |
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Die Begegnung mit Gott ist ein Geschenk. Gott
selbst ergreift die Initiative, um uns an diesen geheimnisvollen Ort zu
führen und zu uns zu sprechen. Wie sagt René Voillaume: "Die geheimnisvolle
Arbeit der Liebe"...... Gott führt uns in die Wüste, damit wir nur nach
IHM allein dürsten, denn wenn wir Gott suchen, so kommt Er |
| uns entgegen, um uns an die Hand
zu nehmen und mit uns zu gehen. In dieser Begegnung der Liebe sind nicht
wir die Handelnden; Gott ruft in uns nur die Sehnsucht wach, ihn zu suchen
und ihn in der Demut der inneren Stille zu finden. Und es ist erstaunlich:
Je mehr er sich finden lässt, um so stärker wird die Sehnsucht, ihn zu suchen.
Unsere Begegnung mit Ihm ist still, friedlich und brennend zugleich. Man
ist ohne Ruhe. Wir sind immer bei ihm und in Ihm, aber wir sind auch schwach
angesichts dieser unwiderstehlichen und verwandelnden Kraft der Liebe."
(Milourde) |