| Thurid
Brümmel, ist Pastoralreferentin der Erzdiözese Freiburg. Im Rahmen eines
Sabbatjahres hat sie einen Monat bei den Kleinen Schwestern in Aulnay, einer
Vorstadt von Paris, mitgelebt und beschreibt ihre Erfahrungen; " Dieser Monat war ein wichtiger Monat in meinem Leben. Vieles hat mich berührt und beschäftigt mich weiter. Drei Aspekte will ich herausgreifen. - Ich konnte in der Zeit üben, "mit großen Augen" zu sehen, mich der Vielfalt der Eindrücke zu stellen, Freud und Leid in unserer Banlieue wahrzunehmen: die hässlichen, verschmierten Fassaden, den Gestank von Dreck und Pisse, die arbeitslosen Jugendlichen, die auf der Straße herumlungern, das Geschäft mit Drogen rund um unseren Häuserblock und gleichzeitig die Schönheit der bunten |
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| Gewänder
aus aller Welt, die Kinder mit unterschiedlichsten Hautfarben, die fröhlich
miteinander im Hof unten spielen, die Lebenskraft der Menschen, die sich
nicht geschlagen geben. Der "Blick mit großen Augen" ist, glaube
ich, dem Blick Gottes verwandt. Wer mehr sieht, ist der Wahrheit näher.
Das will ich weiter üben. |
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| - Die Schwestern leben "mittendrin", sie teilen das Leben der Menschen in der banlieue, sie sind selbst arm, haben dieselben Wohn- und Arbeitsbedingungen, dieselben Sorgen aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise... | ||
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Gleichzeitig
ist der Tag der Schwestern durch das Gebet strukturiert. Sie
beten und meditieren wirklich viel, und das merkt man ihnen auch an. Sie
strahlen Gelassenheit aus.
Diese gelassene Atmosphäre hat mein Mitleben gänzlich unkompliziert gemacht, |
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| ich
bin einfach mitgelaufen und habe mich wohl dabei gefühlt. Es
bleibt die Anfrage an meinen Lebensstil. |
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Berührt hat mich die Begegnung mit Menschen auf der "Schattenseite".
Ich bin losgezogen, um Analphabetinnen, Obdachlose und Prostituierte
kennen zu lernen und bin Menschen begegnet: Müttern, die sich um ihre
Kinder sorgen, Frauen mit tiefen spirituellen Erfahrungen, Männern,
die mir Kartenspiele beigebracht haben, Großmüttern, die mit 70 Jahren
noch schreiben lernen, um allein zum Arzt gehen zu können. Mein Respekt
vor Menschen ist gewachsen und meine Zuneigung. Das war vielleicht das
Wichtigste." |