In Seinem Namen zusammengerufen...

Eindrücke der Internationalen Besinnungstage
in Pierrefitte-sur-Seine

Ich komme gerade von den Besinnungstagen bei den Kleinen Schwestern in Pierrefitte zurück. Angemeldet hatte ich mich zu den Exerzitien, weil ich eine Pause in meinem Alltag einlegen wollte, so etwas wie ein „tête à tête“ mit Gott und auch, weil ich die Prioritäten in meinem Leben neu ordnen wollte.
Erstaunlich, aber wahr: Im Endecken des Lebens von Charles de Foucauld habe ich mein eigenes Leben der letzten Jahre neu lesen können. Ich habe gemerkt, welchen Platz Gott darin nach und nach eingenommen hat.

Ein wichtiger Punkt der Woche war, dass unsere Gruppe so bunt gemischt war. Vom unterschiedlichen kulturellen Hintergrund, Herkunftsmilieu und auch der kirchlichen Bindung her waren wir alle sehr verschieden. Das wahr sehr lebendig!
Eine bunt gemischte Gruppe

Viele Themen haben mich angesprochen. So das Thema des Gebets (Was bedeutet das eigentlich für mich und wie bete ich ?), das Thema der Schrift (Welche Bedeutung hat sie für mich, wie höre ich darin Gottes Wort an mich ?)
Auch über das Thema, was denn letztlich die gemeinsame Berufung aller Christen ist, hatte ich noch nie richtig nachgedacht.

Die Anbetungsstunde in der Nacht war für mich eine ganz neue Erfahrung. Ich hatte ein wenig Angst davor. Angs,t mich vielleicht zu langweilen oder etwa einzuschlafen – und dann war das eine ganz besondere Stunde tiefer Gemeinschaft mit Gott. Ich war einfach da, in der Gegenwart meines Freundes und Herrn Jesus Christus: schweigend, hörend, bittend – es war wie eine Stunde eines persönlichen Gespräches mit einem Freund.

Was mir am Ende der Besinnungstage ganz neu geschenkt wurde, das war die Gewissheit, wie sehr Gott jeden einzelnen Menschen liebt und umwirbt. Jeder Mensch ist so einmalig und kann seinen persönlichen Beitrag zum Ganzen einbringen. Im Vertrauen auf Gott können wir die Begegnung mit dem Ungewissen, mit den Anderen wagen.

Durch die Gespräche, den Austausch, die angesprochenen Themen ist mir deutlicher geworden, dass es nicht etwa eine ‚richtige’ Art gibt, Christin zu sein, nicht eine Art, ‚richtig’ zu beten, sondern ganz viele, von der eine mir persönlich entspricht. Wohl zum ersten Mal habe ich die Frage nach meiner persönlichen Berufung zulassen können, ohne das als Druck zu erleben.
Gemeinsames Gebet in der Kapelle

Mit grösserer Gelassenheit und einer festen Gewissheit kehre ich nun in meinen Alltag zurück: Gott nimmt einen wichtigen Platz in meinem Leben ein! Er ist die Quelle der Liebe, die ich empfangen und weitergeben kann. Ich habe auch mehr Vertauen, um mich ins Ungewisse des Lebens hineinzugeben und ich bin auch nicht mehr so „erstaunt“, wenn ich an meine Grenzen stosse. Was soll’s, es bricht einem doch kein Zacken aus der Krone, wenn man um Hilfe bittet! Damit hatte ich immer ein bisschen Mühe. Im Gegenteil, ist doch prima, wenn die Dinge gerade im Zusammenwirken Vieler entstehen.

So habe ich Gott zu danken. Für seine Güte und dafür , dass er uns aus unterschiedlichen Ländern, Berufen und Lebensituationen in dieser Woche in seinem Namen zusammengerufen hat.

Laurence


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