|
|
![]() |
|
|
Später - so geht das Erzählen und Zuhören in Pierrefitte weiter - war ja auch nicht längst alles gerade, geordnet, entschieden und ein für alle Mal geklärt im Leben von Fr. Charles: die Zeit bei den Trappisten, das Leben der Nachahmung Jesu in Nazareth, Priesterweihe, unter den Tuareg - dazwischen noch viele andere Stationen, Wege, Versuche. Ich lausche gespannt. Aber wo ist der "rote Faden"? "Was ist, wenn nichts mehr ist?", so formulierte Doris jene Frage, die Foucauld in die Wüste getrieben haben könnte. Jedenfalls - so scheint es mir - einer, der nicht nur aufs Ganze ging, sondern mehr als Alles in Allem suchte und zu entdecken bereit war. Und in seiner Suche nach mehr als Allem, das er von Gott erwartete, ganz schlicht und einfach wurde - ganz schlicht und einfach das Leben Jesu leben wollte. Nicht mehr. Nicht weniger. Die Momente auf den Stufen von Saint Augustin und die Zeit in Pierrfitte - seither hat es in mir so manches Mal gegärt. Ich spüre, dass in der Erfahrung, dass so vieles Nichts ist, und in Nichts sich alles schenken kann, dass in diesem ganz einfach und schlicht werden, in den Versuchen Jesus nachzuahmen eine ungeheure Sprengkraft steckt. |
|
|
Nein,
- um es ehrlich und offen zu sagen: Für Klöster und Ordensgemeinschaften
konnte ich mich persönlich noch nie begeistern. Ich achte, respektiere
und bewundere diese Wege. Meine sind sie nicht. Ich bin ganz gerne und
mit Leidenschaft schlicht und einfach Pfarrer. Aber dieser "Versuch" von
Br. Charles, der geht mir nach, treibt mich um, stellt mich und so manches
um mich herum in Frage: Erst leben, dann reden.
|
|
|
Und wenn reden,
dann ein Reden, das durch das Zeugnis des Lebens qualifiziert ist. Das
Zeugnis ohne Worte hat Vorrang vor dem Zeugnis mit Worten (vgl. Evangelii
Nuntiandi). Skeptisch bin ich - längst nicht erst seit den Tagen in
Paris - gegen so manches Programm und so manche Predigt der Neuevangelisierung.
Was die Weitergabe des Glaubens betrifft haben wir kaum mehr als Bankrotterklärungen
zu bieten, verfallen dann in Panik und werfen eine um die andere Aktion
zur Weitergabe des Glaubens, das eine oder andere Megaevent, Initiative
nach Initiative und Programm nach Programm auf den "pastoralen Markt". |
||
|
|
Da leben sie am Stadtrand von Paris und setzen auf den Wegen mit afrikanischen Studenten, mit Menschen, die im Unfeld der Prostitution leben, oder einfach in einer Großstadtbibliothek Zeichen dieser Zuwendung, Zuneigung, dieser göttlichen Menschlichkeit - | |
| oder in den erdbebenzerrütteten Slums von Port au Prince, oder in den Hochhauswüsten von Leipzig, oder in der Begegnung mit den Strafgefangenen New Yorks. |
|
Keine Bekehrungsprogramm.
Kein weiteres Konzept zur Neuevangelisierung. Schlicht und einfach die
Zuwendung Gottes leben, ihr Herz und Verstand, Hand und Fuß leihen. Ob
das nicht auch im Vielerlei der Gemeindepastoral in immer größeren Räumen
möglich sein kann? Mit all ihren Gremien und Sitzungen, in der Schule
und in all den vielfältigen Begegnungen mit Jugendlichen und Senioren,
mit Traurigen und Kranken, mit vom Schicksal gebeutelten und frisch Verliebten,
im Pflegeheim und im Krankenhaus, auf der Straße und beim Einkaufen…?
Nicht das tolle Pastoralkonzept macht es und auch nicht die eloquente
Predigt. Machen kann es eh nur Gott. Und wir dürfen dabei seine Zeichen
der Zuwendung, seine Zeichen der göttlichen Menschlichkeit setzen. Ich
glaube immer mehr: Das einzig Not-wendige. Georg Lichtenberger |