Zu Besuch in Deutschland....
Eindrücke von Kl. Sr. Catherine in Freiburg

Öfter kommen Menschen aus Deutschland zu uns nach Pierrefitte und manchmal schien es mir, dass das Leben doch ein wenig anders sein muss als in Frankreich. So kam mir der Vorschlag meiner Mitschwester Doris, einen Besuch in Freiburg zu machen, wie gerufen. Thurid, die dort lebt und die einen Monat bei uns in Paris gelebt hatte, hat sich viel Zeit für uns genommen und diese Tage vorbereitet in denen es viele, für mich sehr bereichernde, Begegnungen gab:
* ein Blick auf das Thema der Ökumene, ausgehend vom Gebäude der neuen Kirche "St Magdalena" im Rieselfeld, die evangelische und katholische Kirche unter einem Dach vereint. Dort hat uns Simone nach der Eucharistiefeier eine gute Einführung in das Gemeindeleben gegeben und davon erzählt, wie die Gemeinde versucht, Ökumene vor Ort zu leben. Neu für mich war, wie viele Familien konfessionsverbindend sind, das ist sicher ganz anders als in Frankreich, wo die evangelische Kirche zahlenmässig viel weniger präsent ist.

* Das Abendessen bei Mathilde und Uli, die seit 15 Jahren ihren Wohnraum mit wohnungslosen Menschen teilen, hat in mir ein besonderes Echo hinterlassen, arbeite ich doch selbst mit Nichtsesshafen in Paris. Es hat mich sehr gefreut, einen so ähnlichen Blick auf diese Realität zu finden und es war schön, diesen Abend mit einer gemeinsamen Gebetszeit zu beschliessen.

* Elisabeth hat uns einen Einblick in die Citypastoral gegeben und mit ihr haben wir in der Mitte des Tages innehalten können und mit den Besuchern des Münsters der Meditation und den Orgelklängen zugehört. Menschen auf dem Weg durch die Stadt diese schöne Kathedrale als einen Ort zu eröffnen, in dem Gottes Wort zu hören ist, das scheint mir ein lebendiges Projekt zu sein.

* Ein Abend im Lebenshaus in Heitersheim, wo drei Familien ihr Haus für Menschen in Krisensituationen offen halten, klingt noch in mir nach: Im Leben neu durchatmen können - auch der Spaziergang mit Berni und die so schöne Frühlingsnatur inmitten der Weinberge hatte für mich Grossstadtpflanze etwas Friedvolles und Verlangsamendes. Und wer hat je behauptet, in Deutschland gäbe es keinen guten Wein ?!

* Ein Vormittag beim Religionsunterricht in der Berufsschule war natürlich völliges Neuland für mich. Unvorstellbar in unserer französischen Realität, in der Staat und Kirche völlig getrennt sind.

* Am Ende unseres Besuches hatten wir noch Gelegenheit, die Hochschulpastoral in Freiburg ein wenig kennen zu lernen. Im Erzählen der Studierenden ist mir die Bedeutung der kirchlichen Jugendarbeit und das Interesse an sozialem Engagement auch nochmals bewusst geworden. Es ist schön, dass mit der KHG ein Ort gegeben ist, an dem sie Wege erwachsenen Glaubens suchen und ausprobieren können.



Natürlich müsste ich auch noch von der schönen Stadt erzählen, den ersten Frühlingstagen und der wärmenden Sonne. Und von meiner Entdeckung eines Wegweisers nach Gurs. Ich wusste gar nicht, dass badische Juden in mein Heimatland transportiert wurden. Selten spricht man in Frankreich von diesem Teil unserer Geschichte. Viele Menschen haben uns in desen Tagen Anteil an ihrem Leben gegeben, das war wirklich ein schönes Geschenk und ich bin sehr dankbar dafür.

Kl Sr Catherine